Gedanken zum Tag

“In dem Augenblick, in dem Menschen mehr haben als das Nötigste, fangen sie an, sich zu vergleichen mit solchen, die noch mehr haben. Es entstehen Mangelgefühle zweiter Ordnung, die (nicht aus der Not, sondern) aus dem Vergleich stammen.”

“Jedes Lebewesen ist der Höhepunkt einer Erfolgsgeschichte von Kompetenzen, Kräften und Ausgriffen. Bedauerlicherweise gibt es in allen menschlichen Kulturen politische und pyschosoziale Mechanismen, die die Individuen unter ihre Möglichkeiten drücken. Als besonders wirkungsmächtig, sind hier die religiösen Entmutigungsmythologien zu nennen – die Doktrinen der Welt- und Lebensverneinung.”

“Wichtig ist, dass aus den Welt- und Lebensverneinungsübungen, Steigerungs- und Kreativitätsaskesen werden, die zur Lebensbejahung ermutigen!”

“Es ist nicht die Gier, die unsere Kartenhaus-ähnliche Weltkonstruktion antreibt, die Fehlsteuerung geht von den Zwängen des Billigkreditsystems aus: Wenn die Zentralbanken kostenloses Geld ausspucken, wäre es für echte Global Player ruinös, es nicht zu nehmen.”

“Seit dem Beginn der Neuzeit hat sich in den Menschen Europas und Amerikas das Märchenmotiv vom leistungslosen Einkommen mit archetypischer Gewalt festgesetzt.”

“Wer das Eifersuchtsmotiv des “Auch-haben-wollens” systematisch aufheizt, um das Betriebsklima einer “Konsumgesellschaft” herzustellen, erntet früher oder später moralische Desorientierung und psychische Inflation.”

(Peter Sloterdijk, 2010)