Gipfelstürmer

UN-Gipfel, NATO-Gipfel, G 7-Gipfel, Klima-Gipfel…! Es gibt kaum ein politisches Handlungsfeld, in dem internationaler Austausch nicht regelmäßig und wiederkehrend in Spitzentreffen “gipfelt”. Nichts scheint mehr ohne Gipfeldiplomatie zu funktionieren und trotz der oft kaum mehr sichtbaren Resultate scheint niemand gewillt, den nicht enden wollenden Gipfelreigen ernsthaft zu hinterfragen. Wie steht es um diese Gipfelitis? Sind die, die dabei sind und mitreden können wirklich auf dem Gipfel oder bilden sie sich das nur ein? „Gipfelstürmer“ weiterlesen

Bekennermut

… oder die heilsame Kraft des Widerspruchs. – Wer sich Anfang des 21. Jahrhunderts mit Religion beschäftigt, betritt ohne Zweifel vermintes Terrain. Nicht nur weil die Prozesse der Säkularisierung unserer Lebenswelten immer dramatischere Formen annehmen, sondern auch weil diese rasante “Verweltlichung” unseres Daseins in immer größeren Kontrast zu markanten Formen “wiedergeborener” Religiosität in anderen Weltregionen tritt. Beide Prozesse vollziehen sich parallel und zwingen uns dazu – trotz fortschreitender Kirchenferne – wieder intensiver über Glaubensfragen und ihre politisch-gesellschaftliche Relevanz nachzudenken. „Bekennermut“ weiterlesen

Unruhe im Kristallpalast

Es war Anfang der 60er Jahren des 19. Jahrhunderts als der berühmte russische Literat Fjodor Dostojewskij – tief beeindruckt von der Londoner Weltausstellung – in einem seiner Schlüsselwerke den Begriff “Kristallpalast” zu einer zentralen Metapher der Weltliteratur formte. Anknüpfend an die gewaltige Dimension der Glas-Eisen-Konstruktion des Weltausstellungsgebäudes erfasste Dostojewskij intuitiv die programmatische Wucht dieses Bauwerks als Ausdruck des heraufdämmernden weltumspannenden Kapitalismus. Was hat es mit diesem globalen “Komforttreibhaus” auf sich? Warum sind die zivilisationskritischen Visionen eines russischen Schriftstellers des vorletzten Jahrhunderts für uns heute noch von Relevanz? Läßt sich gar mit dem Bild vom “Crystal Palace” unser aktuell gegenwärtig so kompliziert anmutender Weltzustand besser verstehen? „Unruhe im Kristallpalast“ weiterlesen

Fremdkörper Bundeswehr

Nachkriegsdeutschland hat sich mit seiner Armee von Beginn an schwer getan. Zu erdrückend waren die bitteren Erfahrungen der Kriegsjahre mit Tod, Verwüstung und Vertreibung. Und zu tief saß der Schock über die zerstörerische Kraft einer Streitmacht in der Hand fanatischer Ideologen. Als 10 Jahre nach dem Zusammenbruch, eine neue Armee in die Kasernen einzog, hat es – trotz Kaltem Krieg – viele weitere Jahre gebraucht, um Staat und Gesellschaft an “ihre” Bundeswehr zu gewöhnen. Mit dem Prinzip der “Inneren Führung” und mit der Geburt des “Staatsbürgers in Uniform” schienen die richtigen Lehren aus der Vergangenheit gezogen worden zu sein. Und als dann auch noch die friedliche Integration der “Nationalen Volksarmee” in die Bundeswehr gelang, schien die lang ersehnte Aussöhnung endlich gelungen. – Doch blickt man auf die aktuellen Geschehnisse des Jahres 2017 wird schnell deutlich: diese Eindrücke waren in hohem Maße trügerisch und es gibt heute wohl kein Land in Europa, in dem sich Militär und “Zivilgesellschaft” so fremd sind wie in Deutschland. „Fremdkörper Bundeswehr“ weiterlesen

Trügerischer Triumph

Emmanuel Macron hat es geschafft! Das Palais de l´Élysée hat einen neuen Hausherrn. Die Börsen setzen zum X-ten Höhenflug an. Europa atmet auf und die europäischen Leitmedien senden Siegesfanfaren ins Land: Le Pen ist geschlagen und die europäische Rechte besiegt!  – Also nach langen unsicheren Wochen und Monaten und nach Brexit und Trump endlich der Triumph! Der ersehnte Erfolg! Der Auftrag zum Weiter so! – Nein, halt! möchte man den Triumphatoren zurufen. Macrons Wahlerfolg ist nur eine trügerische Atempause, wenn es jetzt nicht gelingt die vielen unbewältigten Probleme, die Frankreich spalten und Europa bedrängen, endlich zu lösen. „Trügerischer Triumph“ weiterlesen

1968 – eine kritische Bilanz

Im nächsten Jahr steht uns ein besonderes Jubiläum ins Haus: “1968” jährt sich zum 50 Mal! – Ohne Zweifel ein “Epochenjahr”, das bis heute nachwirkt und das unsere politische Gegenwart entscheidend beeinflußt hat. Ein gewichtiger Grund einmal auf die besonderen Charaktristika der “68er Revolution” zu schauen und ein Stück weit Bilanz zu ziehen zu einem Zeitpunkt, an dem der Zenit der damals angestoßenen Entwicklung erreicht zu seien scheint. Dass diese Bilanz merkwürdig erratisch ausfällt, hat wesentlich damit zu tun, dass “Revolution” und “Konterrevolution” gegenwärtig offensichtlich dabei sind ihre Plätze zu tauschen. Kam im Kontext des Jahres 1968 das Establishment und die (moralisierende) “Sonntagsrede” noch von rechts, besetzen heute die 68er und ihre grün-linken Adepten die Kanzeln der gültigen Moral und des bedrohten Mainstream. Was hat es mit diesem Rollentausch und dem damit verbundenen Standortwechsel auf sich? Warum erscheinen heute nach fast fünf Jahrzehnten der schier nicht enden wollenden Erfolgsgeschichte, die Revolutionäre von einst in so frappierender Weise als Getriebene? „1968 – eine kritische Bilanz“ weiterlesen

Duldsamkeit als erste Bürgerpflicht

Der Bürger ist ein merkwürdiges Geschöpf, insbesondere, wenn er als Staatsbürger in Erscheinung tritt. Einerseits bildet er – wenn er als Demos im Kollektiv auftritt – den großen machtvollen Souverän, auf dem jede Form demokratischer Legitimität ruht (“Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus”, Art 20 Abs. 2 GG). So widerspricht er im Angesicht des Thrones, zettelt Revolutionen an oder kämpft tapfer gegen Willkür und Unterdrückung. Andererseits liefert er sich – scheinbar freiwillig und widerstandslos – dem übermächtigen “Leviathan” aus und duckt sich kleinlaut, selbst dort, wo die staatliche Gewalt nur von Ferne droht. Was hat es mit diesem widersprüchlichen “animal politique” auf sich? Warum läßt sich staatsbürgerliche Räson so leicht überspielen? Warum obsiegt im wechselvollen Spiel aus Macht und Gegenmacht so oft die Duldsamkeit? „Duldsamkeit als erste Bürgerpflicht“ weiterlesen

Brauchts eigentlich noch Grenzen?

Komische Frage! Ja selbstverständlich, möchte man hier antworten! Kein Bereich des privaten oder gesellschaftlichen Lebens, der nicht von einer Vielzahl natürlicher Grenzen geprägt wäre! Wünsche und Erwartungen sind bisweilen grenzenlos, aber niemand würde doch ernsthaft behaupten, sie gingen ohne Grenzen in Erfüllung. Ebenso bei Geld und materiellen Ressourcen. Ihre Knappheit zwingt uns beinahe täglich zum Wirtschaften und zum haushälterischen Gebrauch unserer existenznotwendigen Lebensgrundlagen. Dennoch – der unvoreingenommene Betrachter reibt sich verwundert die Augen – scheint es wahrhaftig einen Bereich zu geben, der ohne Grenzen auskommt. Die Rede ist nicht von den quasi-paradiesischen Nischen des superreichen Jet Set, sondern vom weiten Feld der Staatsgrenzen. Hier, so der immer deutlicher vernehmbare Tenor, haben Grenzen nicht nur ihre Bedeutung, sondern sogar ihre Existenzberechtigung verloren. – Kann das sein? Ist da was dran? „Brauchts eigentlich noch Grenzen?“ weiterlesen

Brauchts eigentlich eine Opposition?

Demokratie ist anstrengend und nicht immer berechenbar. Oft auch vielstimmig und schwerfällig. Aber nach fast 250 Jahren des schmerzhaften Experimentierens mit verschiedenen Staats- und Regierungsformen dürfte die Demokratie zumindest in der westlichen Hemisphäre als einzig wirklich legitimierbare Variante politischer Herrschaft übrig geblieben sein. Das Besondere an der “Volksherrschaft” ist – neben der Gewaltenteilung und den garantierten Menschen- und Bürgerrechten – die zeitliche Limitierung von politischer Herrschaft. “Entmachtung” und “Machtwechsel” sind sozusagen systemimmanent. Damit das aber funktioniert, bedarf es einer Opposition, die nicht nur die Kontrolle der Regierenden, sondern mehr noch die Sicherstellung einer echten politischen Alternative garantiert. „Brauchts eigentlich eine Opposition?“ weiterlesen

Gutenberg meets Zuckerberg

Als Mitte des 15. Jahrhunderts in Mainz der Buchdruck mit beweglichen Lettern das Licht der Welt erblickte, ahnte kaum jemand, welch eine ungeheure Wirkungsmacht das Buch und die von ihm abgeleiteten Druckerzeugnisse fortan entfalten würden. Ähnlich verhält es sich in unserer Gegenwart mit dem Medium Internet, das unsere Medienwelt regelrecht revolutioniert und dessen epochale Durchsetzungskraft erst in Ansätzen erkennbar ist. So reizvoll es wäre, einen Blick in unsere schillernde Medienzukunft zu werfen, wollen wir an dieser Stelle nicht spekulieren oder weissagen, sondern versuchen den beiden eminenten Medienrevolutionen durch das Aufdecken frappierender Parallelen näher zu kommen. Anders gesagt: Wer ein klein wenig besser verstehen will, was für uns Zeitgenossen die Zuckerbergsche (Facebook-)Revolution bedeutet, sollte sich zumindest kurz mit den charakteristischen Begleitumständen der Gutenbergschen (Buch-)Revolution befassen. „Gutenberg meets Zuckerberg“ weiterlesen