Strukturbruch statt Strukturwandel

Moderne Ökonomien leben vom Strukturwandel. Nur wenn die Produkte und Prozesse laufend überdacht und anhand der Marktlage überprüft werden, besteht Hoffnung auf Wachstum und Fortschritt. Treiber dieses Strukturwandels sind fast ausschließlich Unternehmer, die mit ihren Augen und Ohren am Kunden Neues entwickeln, Prozesse neu strukturieren und neue Märkte erschließen. Wenn der Staat flankierend dazu innovationsfreundliche Rahmenbedingungen setzt und regulatorische Belastungen richtig dosiert, entstehen immer wieder fantastische Erfolgsmodelle mit einem signifikanten Mehrwert für alle Bürger. – Was aber passiert, wenn Politik glaubt, besser zu wissen, was für die Wirtschaft gut ist und darüber hinaus sogar anfängt, Innovationszyklen zu stoppen und auf administrativem Wege neu aufzusetzen? Kann das gut gehen? Geht das wirklich: Strukturwandel ohne Markt durch die politische Hintertür? Oder erzeugen wir, wenn wir so weiter machen, nicht einen unumkehrbaren Strukturbruch? „Strukturbruch statt Strukturwandel“ weiterlesen

Das große Missverständnis

Noch Anfang der 2010er Jahre hätte so gut wie jeder, den man gefragt hätte, reflexartig abgewunken: Was? Der öffentlich-rechtliche Rundfunk unter Legitimationsdruck? Das Dickschiff der deutschen Nachkriegsdemokratie in der Rechtfertigungsschleife? Du tickst wohl nicht richtig…! – Heute, wenige Jahre später, ist alles anders. Nervosität in den Chefredaktionen. Betretenes Schweigen aus den Konferenzräumen der Rundfunkräte. Intendanten, die sich “ohne Wenn und Aber” für Auftritte ihrer Kinderchöre entschuldigen müssen! – Was ist da los? Wie konnte es soweit kommen? Gehts da nur um die Tagesform oder liegts am System? „Das große Missverständnis“ weiterlesen

Auf der schiefen Ebene

Volkswirtschaften sind sensible Konstrukte. Sie können die Voraussetzungen für ihren Erfolg nicht selbst garantieren. Sie benötigen tragfähige Rahmenbedingungen und funktionierende Anreizmechanismen, die letztlich nur der Staat setzen kann. Was passiert, wenn der Staat diesen Rahmen falsch konstruiert und anfängt regulatorisch zu übersteuern, läßt sich auf frappierende Weise am Untergang des real existierenden Sozialismus nachvollziehen. Hier wurde über Jahrzehnte hinweg systematisch an den Bedürfnissen der Menschen vorbei produziert. Statt wettbewerbliche Markt- und Innovationsmechanismen zu nutzen, wurden “Bedarfe” ermittelt, Produktionsziffern aufsummiert und am staatlichen Reißbrett erdachte “Planzahlen” hin und her gewälzt. – Trotz der katastrophalen Ergebnisse dieser systembedingten Fehlsteuerung scheinen die Grundprinzipien der “Planwirtschaft” aktuell wieder en vogue. Es wird wieder zentral geplant und statt auf “Bedürfnisse” setzt Politik verstärkt wieder auf “Bedarfe”. „Auf der schiefen Ebene“ weiterlesen

Get Brexit done

Seit dem 12. Dezember ist es amtlich: Die Briten sind raus! Raus aus der Europäischen Union. Raus aus einer supranationalen Gemeinschaft, der sie fast 47 Jahre angehörten. Es hat geschlagene dreieinhalb Jahre gedauert um das Brexit-Votum des britischen Souveräns vom Juni 2016 auf die Zielgerade zu bringen. Dreieinhalb schwierige Jahre nicht nur für den Austrittskandidaten, sondern auch für die EU selbst. Vorgezogener Phantomschmerz auf der einen Seite und innerer Dissens über das Wie des Austritts auf der anderen Seite. Dann die Entscheidung in einer Art “zweitem Referendum”: Absolute Mehrheit für die Tories und Boris Johnson! – Was bedeutet der Brexit für Großbritannien? Waren die fast 50 Jahre “Vereinsmitgliedschaft” nur eine historische Anomalie? Oder gibt es gar einen Weg zurück? Und was heißt der Brexit für die EU? Erleben wir den Anfang vom Ende der “ever closer union” oder wohin geht die Reise ohne die Insulaner? In Richtung Superstaat oder in Richtung Staatenbund? „Get Brexit done“ weiterlesen

Out of Control

Wir kennen das aus dem Fernsehen und aus dem Internet: Raketenstart auf den Weltraumbahnhöfen von Cap Canaveral, Baikonur oder Kourou. Der Countdown wird heruntergezählt, der massige Raketenkörper hebt ab, schraubt sich in die Höhe und nimmt beschleunigt Fahrt auf. Manchmal – und wir haben die Bilder vom Space Shuttle “Columbia” aus dem Jahre 2003 noch vor Augen – scheitert der Kraftakt. Das Projektil kommt ins Stocken, gerät ins Trudeln und Sekunden später zerlegt sich das Fluggerät mit grellem Getöse in seine Bestandteile…! „Out of Control“ weiterlesen

Homo hystericus

Panik geht um! Angst macht sich breit. Untergangsprophetien in der Dauerschleife. Und dazwischen immer wieder die hyperventilierenden Kinderscharen auf den Straßen und Plätzen. “Es ist fünf vor Zwölf!”, so der breite Tenor. “Wer jetzt nicht sofort umkehrt, ist mitschuldig am Weltuntergang!” Manch aussenstehender Betrachter zögert noch und tröstet sich mit dem jugendlichen Überschwang der Klimabewegten. Das beruhigt sich schon wieder! Das zieht vorüber…! Doch es wird einfach nicht besser. Im Gegenteil: Das Europäische Parlament verkündet den “Klima-Notstand”, ruft nach der Notbremse und stimmt lauthals ein in den Chor der Apokalyptiker. – Was ist da los? Wo sind die Stimmen der Vernunft geblieben? Woher kommt dieses schroffe Entweder-Oder, dieses Apodiktische, dieses Rechthaberische in der Debatte? Kennen wir das nicht irgendwoher? „Homo hystericus“ weiterlesen

Politics of no return

Der Ausverkauf hat begonnen! In Sindelfingen, Ingolstadt, Dingolfing und Neckarsulm. Produktionseinbußen, Umsatzrückgänge, Massenentlassungen, vor allem bei den Premiumherstellern der deutschen Automobilindustrie und bei ihren Zulieferern. Trump und die Chinesen, so die politische Mär, haben die protektionistischen Schlagbäume runtergelassen und damit Daimler, BMW und Audi den Saft abgedreht. Wer genauer hinschaut und den Schleier des medialen Mainstreams lüftet, kommt zu anderen Schlüssen. Rigide Emissionsgrenzwerte, EU-verordnet, gegen die Gesetze der Physik, zwingen die Automobilisten zur Vollbremsung bei der Produktion von Verbrennern.* Antriebsstrang, High-Tech-Motoren, Diesel-Technologie? Braucht keiner mehr! Weg damit! Nur noch Alteisen! Mit uns zieht die neue Zeit! Brücken nach hinten hin abbrechen und Produkte produzieren, für die es zumindest aktuell noch nicht einmal einen nennenswerten Markt, geschweige denn eine spürbare Nachfrage oder gar eine (Lade-)Infrastruktur gibt. – Was soll das? Sind wir von allen guten Geistern verlassen? „Politics of no return“ weiterlesen

30 Jahre danach

Schabowski, Schabowski, immer wieder Schabowski! Und ständig die gleiche Wendung in der Endlosschleife: “Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich.”  Und dazwischen immer wieder Genscher. Besser noch seine Stimme! Vom Balkon der Prager Botschaft im nächtlichen Dämmerlicht. Man spürt regelrecht, wie unten im Botschaftsgarten Tausende und Abertausende an seinen Lippen hängen, bis die erlösenden Worte fallen: “Wir sind zu ihnen gekommen, um ihnen mitzuteilen, dass heute ihre Aus….” – Die “… reise” verhallt in einem schrillen Jubelchor, in einem Chor der Verzweifelten, die nur raus wollen, endlich raus! – Dieser Urschrei nach Freiheit klingt noch heute – 30 Jahre später – nach. Er hat sich quasi in unsere Gehörgänge eingenistet und ist zum markanten Sound einer dramatischen historischen Zäsur geworden! – Aber halt! Wenn dieses Freudenfest des Mauerfalls bis heute nachklingt, warum haken wir uns – in Ost und West – nicht alle unter und genießen ausgelassen das Glück der Wiedervereinigung? Warum fällt es uns so schwer, diese glückliche Geburt Gesamtdeutschlands auf demokratischem Fundament unbefangen zu feiern? Was ist los? Was nimmt uns die gute Laune? „30 Jahre danach“ weiterlesen

Luft zum Atmen

Wenn es die Demokratie nicht geben würde – wir müssten sie erfinden! Keine Staatsordnung garantiert ein so hohes Maß an Legitimität und politischer Mitbestimmung. Kein politisches System schafft so viel Freiräume für individuelle Entfaltung, Kreativität und Humanität. In der Verkoppelung mit dem liberalen Verfassungsstaat und dem sozialen Rechtsstaat ist die “Volksherrschaft” zum erfolgreichsten Exportgut der westlichen Zivilisation geworden. Selbst autokratische Systeme versuchen sich über eine Art institutionelle Camouflage, das heißt über das Einrichten von (Schein-)Parlamenten und das Abhalten von (Schein-)Wahlen, eine “demokratische” Fassade zu verpassen. – Dennoch verdichten sich die Anzeichen für eine akute Schwächephase des westlichen Demokratiemodells. Einstmals fest gefügte Institutionen beginnen zu erodieren und ehemals unstrittige Grundsätze werden auf den “Markt der Meinungen” gezerrt. Was ist da los? Geht dem Dauerläufer die Puste aus? Sind wir noch auf dem richtigen Kurs? „Luft zum Atmen“ weiterlesen

Zurück in die Zukunft

Nie war so viel Wende wie heute! “Energiewende”, “Mobilitätswende”, “Agrarwende”, “Klimawende”! Die Steine, die da noch aufeinander bleiben, lassen sich an einer Hand abzählen. Das Alte muss weg. Das Neue muss her. Es ist fünf nach Zwölf. Wer zögert, hat verloren! Wer zaudert, ist von gestern! – Doch halt! Ist eigentlich allen klar, wohin die Reise geht? Was das Alte ist, was da weg muss? Und was das Neue leistet, wenn es ohne das Alte auskommen muss? – Die aktuelle Debatte, vor allem der Debattenstil, lassen wenig Hoffnung auf tiefere Erkenntnis. Im Grunde haben wir in den Verwöhnräumen unseres großen Komfort-Treibhauses längst das Gespür für die elementaren Grundlagen unseres Wohlstandes verloren. Wir navigieren umgeben von unzähligen Entlastungsprothesen durch unseren hochtechnisierten Alltag und laben uns hemmungslos an einem energetischen Manna, dessen Herkunft uns längst fremd geworden ist. Also noch mal: Wissen wir wirklich, was wir tun und was uns erwartet, wenn wir den Schonraum der alten Welt verlassen? „Zurück in die Zukunft“ weiterlesen