World-Wide-Virus

Noch vor wenigen Wochen hätte wahrscheinlich so gut wie jeder von uns beim Wort “Virus” besorgt auf sein IPhone, sein IPad oder sein Notebook geschaut und sich gefragt, ob er denn auch alle Updates rechtzeitig “runtergeladen” hat. Auch die Meldung, dass dieses und jenes via World Wide Web “viral geht”, hätte noch vor kurzem fast niemand mit einem Krankheitserreger in Verbindung gebracht. Nichts scheint nun ferner zu liegen, als solche Assoziationen. Das Corona-Virus beherrscht die mediale Weltbühne und verdrängt die Computerviren auf die hinteren Plätze. – Dennoch – wer die weltumspannende Dimension des Corona-Phänomens auch nur annähernd verstehen will, muss das WWW als medialen Verbreitungsweg in den Blick nehmen und kommt an der Erkenntnis nicht vorbei, dass Covid 19 wohl die erste weltweite epidemische Erkrankung ist, die sich nicht nur Face-to-Face, sondern auch übers Internet verbreitet. „World-Wide-Virus“ weiterlesen

Starker Staat

“L´ État c`est moi!” – Diese, Ludwig XIV. zugeschriebene, Wendung ist zwar quellenmäßig schlecht belegt, umschreibt aber auf herausragende Weise den Blickwinkel der Fürsten auf die Staatsgewalt in der Hochphase des Absolutismus. “Der Staat, das bin ich!” – Mit dieser Herrschaftsformel erreicht die absolute Monarchie an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert ihren Kulminationspunkt und setzt die entscheidenden Wegmarken für die Entfaltung exekutiver Staatsmacht im alten Europa. – Lange her, möchte man meinen! Angestaubter Stoff aus alten Folianten? Botschaften aus dem Totenreich des Ancien Regime? Denn wir sind doch Gott sei Dank längst weiter: Gewaltenteilung, Volkssouveränität, garantierte Grundrechte und ein Katalog von individuellen Freiheitsrechten, der seinesgleichen sucht. Also nur was für die Archive oder doch brauchbares, historiographisches Anschauungsmaterial für ein besseres Verständnis von Gegenwart und (naher) Zukunft? „Starker Staat“ weiterlesen

Politics by Bazooka

Während die galoppierende Pandemie immer neuen Höchstständen entgegenstrebt und sich im breiten Strom der Medien noch fast alle Augen auf das mikrobische Corona-Virus selbst richten, zeichnet sich im Schlachtenlärm eine zweite gewaltige Front am Horizont der Ökonomie und des Sozialen ab. Vom Sperrfeuer der Medien regelrecht paralysiert, schauen wir zwar immer noch mehrmals täglich mit starrem Blick auf die neueste Corona-Statistik, ahnen aber zumindest vage, dass schon bald Konkurs- und Arbeitslosenstatistiken ihre Stelle einnehmen werden. Die Regierungen in den betroffenen Ländern haben diese bittere Kausalkette längst antizipiert und begonnen ihr Krisenmanagement auszuweiten. Neben dem Virus sollen mit schwerem Geschütz nun auch seine Folgen bekämpft werden. Das geld- und finanzpolitische Arsenal, dass da aufgefahren wird, ist alles andere als neu. Wir kennen es aus vorangegangenen Krisen und hören die mitgelieferten Kampfbegriffe wie ein Echo aus vergangenen Tagen. Doch was können die mächtigen “Bazookas”*, die überall in den Regierungszentralen durchgeladen werden, wirklich ausrichten? Läßt sich die aktuelle Krise wirklich mit dem ausgeleierten Arsenal der letzten großen Finanzkrisen bekämpfen? Oder haben wir unsere Munition nicht längst leichtfertig verschossen? „Politics by Bazooka“ weiterlesen

Europa und das Virus

Als das vereinte Europa vor fast genau 70 Jahren gerade einmal 5 Jahre nach Kriegsende – mit dem sog. “Schuman-Plan” vom 9. Mai  1950 –  den Geburtskanal erreichte, war allen politischen Geburtshelfern von vornherein klar, dass es eine Risikogeburt werden würde. Natürlich waren auch schon in den Jahrhunderten zuvor maßgebliche Denker mit der europäischen Idee schwanger gegangen. Zumindest als Kopfgeburt hatte die europäische Einheit schon bei griechischen Philosophen und mittelalterlichen Theologen eine Rolle gespielt. Was lag näher, als die gemeinsame geistig-intellektuelle Vaterschaft des christlichen Abendlandes auch politisch in eine tragfähige Form zu gießen. Dass es trotzdem zweier Weltkriege bedurfte, um den waidwunden Kontinent auf eine höhere Ebene der Einheit zu heben, macht deutlich, dass selbst naheliegende, vielfältig durchdachte Ideen oft nur unter schmerzhaftesten Wehen vorankommen. „Europa und das Virus“ weiterlesen

Angriff aus dem Hinterhalt

Erst der große Börsencrash (2008), dann Fukushima (2011) und nun seit dem Jahreswechsel 2019/20 Corona. Droht dem 21. Jahrhundert ein ähnlich vermaladeiter Start wie dem 20. Jahrhundert? Erst noch Belle Époque und boomende Wirtschaft und dann der tiefe Fall (1914)? Laut dem Publizsten und Börsenbroker Nassim Nicholas Taleb (“The Black Swan”, 2007)  mangelt es uns einfach an einem wirkungsvollen Risikomanagement. Wir “rechnen” im buchstäblichen Sinne einfach nicht mit den oben erwähnten “externen Schocks”. Unsere ausgefeilten Risikokalküle schreiben Vergangenes in der Regel einfach nur fort und behandeln das “gänzlich Unwahrscheinliche” (den “Schwarzen Schwan”) wie eine Unbekannte in einer ansonsten ungestört verlaufenden Aufwärtsentwicklung. „Angriff aus dem Hinterhalt“ weiterlesen

Schrumpfkuren

Es ist Fastenzeit! Für die gläubigen Christen unter uns eine Zeit der Buße, der inneren Einkehr und der rituellen Speisegebote. Die Säkularen berührt das wenig. Ihr Wissen um das rituell-liturgische Fasten ist nur noch rudimentär und letztlich nur eine ferne Erinnerung an die Zeit der großen Hungerkrisen des vorindustriellen Zeitalters. Dass das kollektive Fasten in unserer Gegenwart dennoch wieder en vogue ist, hat durchaus etwas mit diesen historisch-religiösen Remineszenzen zu tun, hat aber seinen Ursprung nicht in einer religiösen, sondern in einer ökologisch fundierten Weltsicht. Die Menschheit, so das große Credo, muss angesichts der herannahenden Klimakatastophe schlanker werden. Und zwar schnell, denn die Zeit drängt und die Umkehr duldet keine Kompromisse. – Aber wie ist das eigentlich? Kann man global vernetzte Ökonomien planvoll eindampfen? Lassen sich Gesellschaften, die es gewohnt sind, im Überfluß zu leben, gesundschrumpfen? „Schrumpfkuren“ weiterlesen

Strukturbruch statt Strukturwandel

Moderne Ökonomien leben vom Strukturwandel. Nur wenn die Produkte und Prozesse laufend überdacht und anhand der Marktlage überprüft werden, besteht Hoffnung auf Wachstum und Fortschritt. Treiber dieses Strukturwandels sind fast ausschließlich Unternehmer, die mit ihren Augen und Ohren am Kunden Neues entwickeln, Prozesse neu strukturieren und neue Märkte erschließen. Wenn der Staat flankierend dazu innovationsfreundliche Rahmenbedingungen setzt und regulatorische Belastungen richtig dosiert, entstehen immer wieder fantastische Erfolgsmodelle mit einem signifikanten Mehrwert für alle Bürger. – Was aber passiert, wenn Politik glaubt, besser zu wissen, was für die Wirtschaft gut ist und darüber hinaus sogar anfängt, Innovationszyklen zu stoppen und auf administrativem Wege neu aufzusetzen? Kann das gut gehen? Geht das wirklich: Strukturwandel ohne Markt durch die politische Hintertür? Oder erzeugen wir, wenn wir so weiter machen, nicht einen unumkehrbaren Strukturbruch? „Strukturbruch statt Strukturwandel“ weiterlesen

Get Brexit done

Seit dem 12. Dezember ist es amtlich: Die Briten sind raus! Raus aus der Europäischen Union. Raus aus einer supranationalen Gemeinschaft, der sie fast 47 Jahre angehörten. Es hat geschlagene dreieinhalb Jahre gedauert um das Brexit-Votum des britischen Souveräns vom Juni 2016 auf die Zielgerade zu bringen. Dreieinhalb schwierige Jahre nicht nur für den Austrittskandidaten, sondern auch für die EU selbst. Vorgezogener Phantomschmerz auf der einen Seite und innerer Dissens über das Wie des Austritts auf der anderen Seite. Dann die Entscheidung in einer Art “zweitem Referendum”: Absolute Mehrheit für die Tories und Boris Johnson! – Was bedeutet der Brexit für Großbritannien? Waren die fast 50 Jahre “Vereinsmitgliedschaft” nur eine historische Anomalie? Oder gibt es gar einen Weg zurück? Und was heißt der Brexit für die EU? Erleben wir den Anfang vom Ende der “ever closer union” oder wohin geht die Reise ohne die Insulaner? In Richtung Superstaat oder in Richtung Staatenbund? „Get Brexit done“ weiterlesen

Homo hystericus

Panik geht um! Angst macht sich breit. Untergangsprophetien in der Dauerschleife. Und dazwischen immer wieder die hyperventilierenden Kinderscharen auf den Straßen und Plätzen. “Es ist fünf vor Zwölf!”, so der breite Tenor. “Wer jetzt nicht sofort umkehrt, ist mitschuldig am Weltuntergang!” Manch aussenstehender Betrachter zögert noch und tröstet sich mit dem jugendlichen Überschwang der Klimabewegten. Das beruhigt sich schon wieder! Das zieht vorüber…! Doch es wird einfach nicht besser. Im Gegenteil: Das Europäische Parlament verkündet den “Klima-Notstand”, ruft nach der Notbremse und stimmt lauthals ein in den Chor der Apokalyptiker. – Was ist da los? Wo sind die Stimmen der Vernunft geblieben? Woher kommt dieses schroffe Entweder-Oder, dieses Apodiktische, dieses Rechthaberische in der Debatte? Kennen wir das nicht irgendwoher? „Homo hystericus“ weiterlesen

Rettet den Zins!

Wer kennt sie nicht? – die zumeist mit einem leisen Stoßseufzer verbundene Wendung: “Alles hat seinen Preis!”. Egal, ob wir  Schaufensterauslagen betrachten, Immobilienanzeigen studieren oder in Hochglanzbroschüren von Autohäusern blättern – überall springt uns das Preisschild ins Auge und offenbart uns die Grenzen unserer Konsumwünsche. Seit der letzten großen Finanzkrise 2007/08 bekommt dieses eherne Prinzip jedoch zunehmend merkwürdige Risse. Nicht etwa weil wir Güter und Dienstleistungen nicht mehr “bepreisen” würden, sondern weil wir angefangen haben, ausgerechnet das allgegenwärtige Tauschmittel unserer Volkswirtschaften, nämlich das Geld, Schritt für Schritt von jeglichen Preisschildern zu befreien. -Was ist da los? Sind Volkswirtschaften ohne den Zins als Steuerungsinstrument überhaupt überlebensfähig? Oder nähern wir uns im Gegenteil mit der “Befreiung” vom Zins nicht dem lang ersehnten sagenhaften Goldland, in dem Tag und Nacht (kostenlos) Milch und Honig fließt? „Rettet den Zins!“ weiterlesen