Overtourism

Urlaubszeit ist Reisezeit! Millionen und Abermillionen machen sich auf in die Ferne. Lange Autokaravanen ziehen gen Süden. Die Strände laufen über und in den großen Tourismusmetropolen drohen die Straßen und Plätze vor lauter Massenandrang  zu kollabieren. Laut “Spiegel” zählen die Fluggesellschaften in diesem Jahr erstmals mehr als 4 Milliarden Passagiere. Gut 1,2 Milliarden Menschen machen sich weltweit als Touristen auf den Weg. Und allein in diesem Sommer durchstreifen erneut über 200 Millionen Urlaubsreisende die Berge, Landschaften und Gestade Europas. Vor diesem Hintergrund kann es nicht überraschen, dass mittlerweile nicht nur Tourismusexperten, sondern vermehrt auch Politiker und Bürgerbewegte, z.B. aus Barcelona, Palma de Mallorca oder Venedig, das Thema “Overtourism” kritisch diskutieren. Übersteigen die Kosten des “Fremdenverkehrs” nicht längst dessen Nutzen? Haben wir beim Aufbau der Tourismusinfrastrukturen nicht von Anfang an das Wohl der Gastgeber aus den Augen verloren? Ist es an der Reisefront nicht längst 5 vor 12? Müssen wir der Übernutzung der Strände, Paläste, Kirchen und Museen, der Berge, Seen und Landschaften nicht endlich Einhalt gebieten? „Overtourism“ weiterlesen

Gedanken zum Tag

“Unsere fehlende nationale Identität hat ihren Preis. Sie ist der Grund für die politische Labilität unserer politischen Kultur und unseres seelischen und intellektuellen Gleichgewichts. Für die Krisen-, Moden- und Hysterieanfälligkeit, für die seltsame Mischung aus Unbehagen, Weltangst, Welttrauer einerseits und realem Wohlergehen, relativem Glück andererseits. Für die Verschärfung des gesellschaftlichen Konflikts und die Radikalität des Wertewandels. Vor allem aber für die moralisierenden Absolutheitsansprüche und für die Erosion des demokratischen Grundkonsenses.”

Thomas Nipperdey (1985)

Europa – Von der Schmalspur auf die Überholspur

Wer sich heute im Jahre 2018 über Europa als politische Kategorie informieren will, bekommt aktuell in den deutschen Medien in der Regel ein dünnes Süppchen aus Brüsseler Verordnungen und Straßburger Allerlei, garniert mit ein bißchen Gipfel-Sahne serviert. Wer angesichts solcher Schmalkost das Gesicht verzieht oder sich gar weigert, die Suppe auszulöffeln, wird unisono als undankbarer Kostverächter, vielfach aber sogar als schlimmer “Europafeind” tituliert. – Was ist denn das, ein”Europafeind”? Kann man tatsächlich gegen einen Kontinent sein, der vom Atlantik bis zum Ural reicht und der aus 47 unabhängigen Staaten besteht? Ist unser politisch-geographischer Blickwinkel mittlerweile so beschränkt, dass wir das moribunde Brüsseler Projekt mit Europa verwechseln? Wo ist die Würdigung der vielgestaltigen Kulturlandschaft, die Beschäftigung mit der tiefgründigen Geschichte unseres Kontinents geblieben? Hat Europa nur eine Zukunft, wenn es durch das Nadelöhr der “Europäischen Union” geschoben wird? Oder gibt es nicht doch handfeste Alternativen, auf die uns nur die Sicht versperrt wird? „Europa – Von der Schmalspur auf die Überholspur“ weiterlesen

Burden Sharing

“Die NATO am Abgrund!” – so hallt es schrill und im alarmistischen Ton durch die Internet-Kanäle, die Redaktionsstuben und die Konferenzflure. Und wer ist schuld? Schon wieder der böse alte Mann aus dem Weißen Haus, der erneut wie ein Berserker durch den Porzellanladen rennt und alles was uns lieb und teuer ist, in Windeseile zerlegt. – Doch was ist dran an diesem Bild vom großen Zerstörer, der die heile Welt um uns herum auf so häßliche Weise malträtiert?  Machen wir nicht wieder den Fehler und stellen denjenigen an den Pranger, der das Problem nicht verursacht, sondern nur besonders nachdrücklich benannt hat? Was ist dran an Trumps Forderung nach einem substantielleren Verteidigungsbeitrag der Europäer? War es wirklich der “Auftritt von Brüssel”, der die NATO an den Abgrund geführt hat oder steckt das Bündnis nicht vor allem deshalb in der Krise, weil der “europäische Pfeiler” immer mehr erodiert? Und was ist mit der Bundeswehr? Sind die deutschen Streitkräfte in ihrem derzeitigen Zustand  international überhaupt noch satisfaktionsfähig? „Burden Sharing“ weiterlesen

Bayerns Berliner Mission

Es war wie ein déjà vu! Wie etwas, das schon mal da war und sich nun in ähnlicher Weise wiederholte. Damals im November 1976: Strauß gegen Kohl! CSU contra CDU und der “Geist von Kreuth” gegen den “Appell zur Geschlossenheit”. Und auch diesmal wieder: Zwei politische Alphatiere im Infight! Seehofer gegen Merkel! Bayern gegen den Bund! und erneut Gedankenspiele über eine bundesweite CSU. – Was ist da los? Warum schlagen politische Stoßwellen aus München so unmittelbar auf die Bundespolitik durch? Liegt das an den politischen Akteuren oder an der Ausnahmestellung der CSU im bundesdeutschen Parteiengefüge? Warum sucht die bayerische Politik ausgerechnet dort eigene Wege, wo eigentlich der Bund das Sagen hat? Und warum nagt das Merkelsche Konzept der “asymmetrischen Mobilisierung” so gnadenlos am weiß-blauen Erfolgsrezept der CSU? „Bayerns Berliner Mission“ weiterlesen

Die Mannschaft

Ein Traumtor! Aus spitzem Winkel, mit viel Wucht und noch mehr Effet, vorbei an Freund und Feind, platziert in die obere rechte Ecke! Toni Kroos entscheidet in der 95. Minute mit einem genialen Freistoßtor ein heftig umkämpftes Spiel in der Vorrunde der Fußball-WM 2018. Die Spieler fallen sich um den Hals, die Fanmeilen kollabieren und die Kommentatoren überschlagen sich in ganzen Kaskaden von Lobreden. Am Morgen danach, mit ein bißchen Abstand zum “Wunder von Sotschi”, machen sich dennoch schon wieder Bedenken breit. Was war los in den 94 Minuten davor. Unerklärliche Fehlpässe, Unsicherheiten in der Defensive, reihenweise vergebene Torchancen und “Superstars”, die ihre Leistung nicht mal annähernd abrufen konnten. – Ist das nur ein Formtief? Hat Jogi seine Jungs nur falsch eingestellt? Oder stößt “La Mannschaft” aus ganz anderen Gründen an ihre Grenzen? „Die Mannschaft“ weiterlesen

G6 oder Trump gegen den Rest der Welt

Es sollte ein klassischer Routine-Gipfel werden. Minutiös geplant und routiniert abgewickelt. Ein paar schöne Bilder für die Presse, ein paar Häppchen und am Schluß ein wohl abgewogenes Gipfelkommuniqué! Dass es mit dem G7-Gipfel im kanadischen La Malbaie anders kam, lag wieder einmal an dem Twitter-König aus dem tiefen Westen, der seinen verdutzten Mit-Gipfelanern noch aus der davon schwebenden Air Force One heraus, via Twitter, zurief: “Ihr könnt mich alle mal gern haben!” – Bei soviel mangelhafter Etikette wollten weder die so unsanft Geprellten noch ihre medialen Multiplikatoren zurückstehen und brachten postwendend das ganze schwere Geschütz in Stellung:  “Trump besiegelt mit zwei Tweets das Ende der westlichen Welt und eröffnet einen neuen Kalten Krieg”! – Doch halt! Was ist dran an dieser Geschichte vom Protektionisten Trump und seinen strikt freihändlerischen Konkurrenten? Und gibt es das wirklich: Ein Bündnis des “freien Westens” gegen Donald Trump? Oder unterliegen wir wieder mal einer optischen Täuschung und erleben nur einen weiteren ergebnislosen Versuch, Angela Merkel doch noch als “the leader of the free world” zu inthronisieren. „G6 oder Trump gegen den Rest der Welt“ weiterlesen

Zweierlei Ordnung

Sind nationale Rechtsordungen teilbar? Kann es auf dem Territorium eines Staates auf Dauer Zonen minderen Rechts geben? – Nein, selbstverständlich nicht!, möchte man spontan antworten. Für alle rd. 200 Nationalstaaten auf der Welt gilt das Prinzip der Rechtseinheit. Rechtssetzung und Rechtsdurchsetzung sind unteilbar. Alle Bürger – zumindest in Rechtsstaaten – sind vor dem Gesetz gleich! – Doch halt! Was passiert, wenn Zweifel an diesen ehernen Grundsätzen aufkommen? Was geschieht, wenn Staaten, sei es aus Nachlässigkeit oder aus handfesten politischen Motiven, bestimmten Personengruppen Sonderrechte gewähren oder bestimmte öffentliche Räume von der Rechtsdurchsetzung freistellen? Welche Auswirkungen hat das auf den Zusammenhalt der Gesellschaft und wie wirkt das auf die öffentliche Ordnung? „Zweierlei Ordnung“ weiterlesen

Rettet Italien!

Seit der letzten großen Finanzkrise und der damit einhergehenden Euro-Krise hat sich unser Politik-Wortschatz um eine ganze Begriffsfamilie erweitert. War früher die “Rettung” ein Monopol des medizinischen Rettungsdienstes machen heute Regierungen, Parlamente und Notenbanken Rettungsdienst-Karriere. “Rettungsfonds” werden aufgelegt. Notenbanken betreiben “Rettungspolitik” und der “Europäische Stabilitätsmechanismus”(!) mobilisiert “Rettungshilfen” für Euro-Krisen-Länder. Unumstrittener Leuchtturm in diesem farbigen Spiel der Worte ist der “Rettungsschirm”. Egal was in Brüssel, Frankfurt oder Berlin an neuer Rettungsphilosophie kreiert wird, alles passt irgendwie unter den großen Rettungsschirm. – Doch wie realistisch sind all diese Rettungsbemühungen? Ist der aktuell im politischen Koma liegende “italienische Patient” überhaupt noch zu retten? Oder sind Rettungsschirme nicht doch nur Fallschirme, die den Absturz verlangsamen, aber nicht verhindern? „Rettet Italien!“ weiterlesen

Royaler Glanz

In  unserer nüchternen, von sterilen Formen und rechenhaftem Pragmatismus geprägten Welt gibt es nur noch wenige Nischen, in denen sich das traditionelle Ritual mit feierlichem Glanz und wärmespendender Botschaft offenbart. Die durchgreifende Entzauberung unserer historisch-kulturellen Überlieferung erfasst zunehmend auch die letzten Rückzugszonen der großen Traditionen. – Die Widerstände gegen diesen latenten “Fortschritt” sind – wenig überraschend – dort besonders groß, wo sich alte, gewachsene Institutionen hartnäckig dem Zug der Zeit widersetzen. Eine besonders widerständige Kraft in diesem stetigem Ringen um die Bewahrung des Überlieferten, ist die Monarchie. Eine Institution, die der (republikanischen) Moderne – trotz Anachronismus-Verdacht – einfach partout nicht weichen will. „Royaler Glanz“ weiterlesen